4 Lektionen aus dem Deloitte City Mobility Index 2020 - Public Sector Insight

Mobility

Die urbane Mobilitätslandschaft ist mitten in einem rasanten Umbruch. Viele Städte brechen mit langjährigen Traditionen der Verkehrsplanung und definieren damit die Regeln neu. Dies zeigt der Deloitte City Mobility Index, welcher kürzlich zum dritten Mal seit 2018 veröffentlicht wurde. Das Hauptziel des Index ist es, die Bereitschaft für die Zukunft der Mobilität von Städten zu messen. Um den raschen Veränderungen Rechnung zu tragen, enthält der Index 2020 nebst aktualisierten Städtedaten auch eine angepasste Methodik. Insgesamt wurden mehr als 50 Städte auf der ganzen Welt in drei Bereichen bewertet: Leistung & Resilienz, Vision & Führung sowie Service & Integration.

Nebst den individuellen Städteprofilen, welche online im Detail einsehbar sind, lassen sich aus dem Deloitte City Mobility Index 2020 vier allgemeine Lektionen ableiten, welche auch für die Schweiz von Interesse sind.

Zusätzlich gibt es hier eine detaillierte Anlalyse zu den Auswirkungen der globalen Covid-19-Pandemie auf die Mobilitätslandschaft der Städte.

Lektion 1: Städte überdenken Autos

Das Auto hat in den Verkehrslandschaften der meisten Städte schon immer eine integrale Rolle gespielt. Jedoch sind die Nachteile einer Auto-zentrierten Stadt gut dokumentiert und werden in der heutigen Zeit zu immer drängenderen Problemen: Staus, schlechte Luftqualität und Verkehrsunfälle sind nur einige davon. Daher suchen immer mehr Verwaltungen nach Möglichkeiten, um die Nutzung des Autos einzuschränken und die Strassen so wieder für die Menschen zugänglich zu machen. Gleichzeitig versuchen sie, alternative Verkehrsmittel durch ein besseres öffentliches Verkehrsangebot und mehr Infrastruktur für aktive Verkehrsmittel zu fördern. Beispielsweise gibt es in etwa 100 Städten weltweit einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr und viele Städte unternehmen Initiativen zum Ausbau der Radwege. Darüber hinaus erleben Trams, welche bis Mitte des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet waren, in Städten auf der ganzen Welt ein Comeback.

Hierzulande wird ebenfalls in vielen Städten den Autos der Kampf angesagt. Das Zürcher Stimmvolk hat kürzlich eine Initiative gutgeheissen, welche den Bau von 50km Veloschnellstrassen verlangt. Bestehende Tramnetze werden ebenfalls kontinuierlich erweitert, so z.B. in Bern (Projekt Tram Bern West), Zürich (Vorhaben Züri-linie 2030), Basel (Tramnetz-entwicklung mit Tram Klybeck, Claragraben, Petersgraben) oder Genf (Verlängerung verschiedener Linien mit mehr Verbindungen über die Grenze)

Lektion 2: Städte überdenken Regulierung

Städte beginnen weltweit, das Mobilitätsumfeld wieder verstärkt zu regulieren, indem sie einen durchsetzungsfähigeren und praktischeren Ansatz verfolgen. Das rasche Auftreten von neuen Mobilitätsdiensten in einem noch nicht regulierten Markt, wie z.B. Fahrdienstleistungen oder gemeinsam genutzte E-Scooter, hat viele Städte auf den Plan gerufen. Obwohl diese neuen Mobilitätsdienste für viele einen Mehrwert darstellen, haben sie unbeabsichtigte negative Folgen mit sich gebracht: vermehrte Staus, Sicherheitsbedenken, arbeitsrechtliche Fragen oder die Behinderung öffentlicher Wege. Die Reaktionen der Städte auf diese Herausforderungen sind gemischt: Einige verbieten die neuen Mobilitätsdienste ganz, andere legen einen Verhaltenskodex für Fahrer oder Regeln betreffend Wegnutzung fest oder beschränken die Anzahl der Betreiber durch ein Lizenzsystem.

In der Schweiz ist Uber beispielsweise aktuell nur in 5 Städten operativ, wobei in einigen striktere Vorschriften gelten als in anderen (z.B. Taxilizenz notwendig). Das Angebot an Mikromobilität ist ebenfalls von Stadt zu Stadt verschieden, wobei nicht nur die zugelassenen Anbieter, sondern auch die Preise pro gefahrenem Kilometer unterschiedlich sein können.

Lektion 3: Städte überdenken Digitalisierung

Die Technologie verändert die Art und Weise, wie Transport betrieben und zugänglich gemacht wird. Zunehmend werden digitale Aspekte zu einem wesentlichen Element eines effizienten und benutzerfreundlichen Transportsystems, insbesondere da die Erwartungen der Verbraucher stetig weiter steigen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter führenden Persönlichkeiten aus etwa 100 Städten weltweit ergab, dass mehr als zwei Drittel von ihnen intelligente Verkehrssignale oder Kommunikationstechnologien zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur einsetzen. Auch kontaktlose Ticket- und Zahlungssysteme erhöhen nicht nur den Komfort für Reisende, sondern liefern auch wertvolle Daten darüber, wann und wo welche Verkehrsmittel genutzt werden. Trotz der sinkenden Kosten für Sensoren und Cloudspeicher ist eine grossflächige Abdeckung des Verkehrssystems einer Stadt jedoch immer noch ein gewaltiges finanzielles Unterfangen und dementsprechend selten. Zudem müssen die Städte genügend ausgebildete Mitarbeitende mit entsprechenden Kompetenzen verfügen, damit sie die gesammelten Daten überhaupt auswerten und angemessen darauf reagieren können.

Lektion 4: Städte überdenken Daten

Daten haben sich als eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Verständnis und die Verwaltung der Mobilitätslandschaften in Städten herausgestellt. Zunehmend akzeptieren die Stadtverwaltungen Open Data-Ansätze und stellen ihre Mobilitätsdaten der Öffentlichkeit zur Verfügung, z.B. durch offene APIs von Verkehrsdienstleistern. Die gemeinsame Nutzung von Daten zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor wird immer wichtiger, um die Auswirkungen der Verbreitung neuer Verkehrsträger und digitaler Dienste zu verstehen und zu bewältigen. Einige Städte verlangen zum Beispiel von Anbietern von docklosen Rollern, dass sie mit den Stadtbehörden eine Vielzahl von Daten austauschen, z.B. über die Standorte, den Zustand, das Fahrverhalten und die Nutzung ihrer Fahrzeuge. Open Data ist jedoch nicht unumstritten. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sowie Vorbehalte gegenüber der gemeinsamen Nutzung von Daten, die von privaten Betreibern als Hauptquellen für ihre Differenzierung am Markt angesehen werden, haben einige Anbieter dazu veranlasst, sich langsamer als notwendig an die Vorschriften anzupassen oder sich auf dem Rechtsweg gegen die Offenlegung zu wehren.

Lokale Anforderungen und gesetzliche Regelungen werden zusammen mit der öffentlichen Meinung das Umfeld für Mobilitätsdaten prägen und es ist zu erwarten, dass es grosse Unterschiede zwischen den Städten geben wird wie die Daten sinnvoll genutzt werden können und gleichzeitig die Privatsphäre und die Wettbewerbsfähigkeit der privaten Anbieter nicht gefährdet wird.

Schaffhausen und Sitten beispielsweise experimentieren mit selbstfahrenden Shuttles, Basel-Stadt stellt eine API für Mobilitätsdaten zur Verfügung und private Entwickler konnten mit Daten aus Basel, Zürich, Bern, Luzern, St.Gallen und Zug ein Parkleitsystem entwickeln, dessen Daten ebenfalls über eine API abrufbar sind. Zug wiederum analysierte in Zusammenarbeit mit Deloitte typische Verkehrsmuster und die Bewegungen der Verkehrsteilnehmenden basierend auf Daten eines Telekom-Anbieters. Im Vergleich zum Ausland fortgeschritten ist die Schweiz schon länger im Bereich Ticketing-Lösungen, da Tickets für verschiedene Transportunternehmen an einer Stelle gekauft werden können (z.B. eine Kombination von Fernverkehr mit Bergbahn oder mit einem Städteticket).

Implikationen für die Schweiz

Alle vier Lektionen sind auch für die Schweiz von hoher Relevanz, wie die verschiedenen Beispiele gezeigt haben. Auch wenn die Schweizer Städte in einigen Bereichen fortgeschritten sind, gibt es vielerorts noch Aufholpotential. Sie können insgesamt von den im Deloitte City Mobility Index zusammengetragenen Erkenntnissen und Beispielen profitieren und so aktiv eine zukunftsfähige Mobilitätslandschaft gestalten. Dank der vielfältigen internationalen Erfahrung kombiniert mit lokaler Expertise, bringt Deloitte erprobte Methoden und Lösungen aus anderen Ländern in die Schweiz und unterstützt die Städte so optimal auf ihrem Weg.

Rolf

Rolf Bruegger - Direktor, Consulting

Rolf ist Direktor im Business Operations-Team in Zürich und hat über 14 Jahre Branchen- und Beratungserfahrung in Europa und der Asien-Pazifik-Region.

Seine Kernkompetenzen liegen im Bereich der strategischen Unternehmenstransformation, mit Erfahrung in der Leitung von Unternehmensstrategieprojekten und deren Umsetzung durch die Entwicklung von unternehmensweiten Transformationsprojekten in internationalen und interdisziplinären Umgebungen. Darüber hinaus hat er mehrere grosse M&A-Transaktions- und Integrationsprogramme unterstützt. Sein Branchenschwerpunkt liegt auf der öffentlichen Verwaltung sowie staatlicher und öffentlichen Dienstleistungsunternehmen, einschliesslich Post, Bahn und Versorgungsunternehmen, wo er ursprünglich seine Karriere begonnen.

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Pablo

Pablo Mandelz - Senior Manager, Consulting

Pablo Mandelz ist ein erfahrener Berater bei Deloitte und bringt über 10 Jahre Erfahrung in komplexen Transformationsvorhaben in der öffentlichen Verwaltung mit. Er ist spezialisiert auf die Modernisierung von öffentlichen Organisationen und fokussiert auf moderne Regulierung, Mobilität und Smart City sowie die Digitalisierung von Prozessen.

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Anna

Anna Kohler - Senior Consultant, Consulting

Anna ist Beraterin im Operations Transformation Team und hat mehrjährige Industrie- und Beratungserfahrung. Ihr Fokus liegt in den Bereichen digitale Transformation, Organisationsoptimierungen und Business Development im öffentlichen Sektor. Gemeinsam mit ihren Kunden erarbeitet Anna innovative Lösungsansätzen mithilfe von kunden-zentrierten und agilen Methoden. Anna ist Expertin für zukünftige Mobilitätsformen und Smart City.

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