Neue Verkehrskonzepte am Vorbild der Biologie - Public Sector Insight

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Allein in der Schweiz verbringen wir pro Jahr 26 000 Stunden im Stau. Traditionelle Rezepte gegen den Stau haben ausgedient, eine neue Inspirationsquelle ist gefragt. Wanis Kabbaj, Head Of Marketing beim weltweit führenden Logistikunternehmen UPS Capital, schlägt vor, sich ein Beispiel an der Biologie, genauer an unserem Blut, zu nehmen und die Erkenntnisse auf unser Transportsystem anzuwenden.  

Die erste Erkenntnis ist, dass unser Gefässsystem dreidimensional ist, unser Verkehrsnetz jedoch immer noch grösstenteils flach, also zweidimensional betrachtet wird. Diese fehlende Vertikalität gilt es zu überwinden. Die zweite Lektion ist, dass unsere roten Blutkörperchen nicht bestimmten Organen oder Geweben gewidmet sind, sondern von ihnen geteilt werden. Blut ist daher sowohl eine kollektive als auch eine individuelle Form des Transports.

Ein nach diesem Vorbild geplantes Verkehrskonzept, das jedem Einzelnen eine individuelle Mobilität bietet und dabei kollektiv verfügbare Kapazitäten optimal nutzt, würde die Behebung unserer aktuellen Verkehrsprobleme bedeuten.

Allein in der Schweiz verbringen Verkehrsteilnehmer pro Jahr tausende Stunden im Stau, doppelt so viele als noch vor zehn Jahren. Das ist eine Verschwendung von Zeit, Energie, menschlichem Potenzial und finanziellen Ressourcen.

Traditionelle Rezepte, wie der Bau neuer oder breiterer Strassen, haben lange funktioniert – ein weiterer Ausbau scheint jedoch nicht realistisch. Dafür ist der Lebensraum zu dicht bewohnt, der Boden zu teuer, die technologische Entwicklung zu schnell und die öffentliche Finanzierung zu unsicher. Damit unser Verkehr fliesst, benötigen wir eine neue Inspirationsquelle.

Wanis Kabbaj schlägt vor, sich ein Beispiel an der Biologie zu nehmen. Unser Körper beschäftigt sich seit Milliarden von Jahren mit Logistik und Transport. Er hat unzählige Lösungen getestet, um Nährstoffe, Gase und Proteine zu transportieren. Wir sollten daher von unserem Körper lernen und die Erkenntnisse auf unser Transportsystem anwenden.

Die erste Erkenntnis ist, dass unser Gefässsystem dreidimensional ist. Tatsächlich schafft es die Biologie, fast 100 000 Kilometer Blutgefässe in jedem von uns zu verpacken. Wenn man sich aber unsere Städte ansieht, auch wenn unsere Gebäude höher wurden, ist unser Verkehrsnetz immer noch grösstenteils flach, also zweidimensional mit manchmal starker Abhängigkeit von einigen wenigen Hauptstrassen. Diese fehlende Vertikalität gilt es zu überwinden.

Der städtische Verkehr der Zukunft wird vielschichtig sein mit anspruchsvollen unterirdischen Infrastrukturen, Bussen, die verkehrsreiche Strassen überspannen können, Zügen, die magnetisch auf hängenden Netzwerken gleiten, und mehr Drohnen und fliegenden Fahrzeugen. Um wieder flüssig zu werden, braucht der Stadtverkehr eine dritte Dimension.

Die zweite Lektion ist, dass unsere roten Blutkörperchen nicht bestimmten Organen oder Geweben gewidmet sind, sondern von ihnen geteilt werden. Trotzdem erhält jede unserer 37 Billionen Zellen ihre eigenen Sauerstofflieferungen – und zwar genau dann, wenn sie sie benötigt. Blut ist daher sowohl eine kollektive als auch eine individuelle Form des Transports.

Diesen Ansatz gilt es zu verfolgen: Wir benötigen ein Verkehrskonzept, das jedem einzelnen Verkehrsteilnehmer einerseits individuelle Mobilität bietet und dabei gleichzeitig kollektiv die verfügbaren Kapazitäten optimiert. Dazu müssen zwei Bereiche verbessert werden: Fahrzeugeinsatz und Strassenauslastung.

In Bezug auf den Fahrzeugeinsatz hat sich auf dem Markt bereits einiges getan: Sharingangebote für Autos, Velos und Scooter schiessen wie Pilze aus dem Boden, ebenso Angebote für Ride-Sharing (Fahrgemeinschaften). Damit lässt sich die Auslastung der Fahrzeuge erhöhen und der Platzbedarf beim Fahren wie Parkieren reduzieren, ganz ohne Einschränkung der Wahlfreiheit eines jeden Einzelnen.

Anders sieht es bei der Optimierung der Strassenauslastung aus, die erst in Kinderschuhen steckt. Ein erster Optimierungsschritt wäre die bessere Verteilung des Verkehrs über den ganzen Tag. Homeoffice und flexible Arbeitszeiten spielen dabei eine grosse Rolle, da sie dazu beitragen, die Hauptverkehrszeiten zu umgehen. Einen viel grösseren Effekt wird die Entwicklung autonomer Fahrzeuge haben. Sobald alle Fahrzeuge miteinander kommunizieren, können Abstände verkürzt, Tempolimits flexibilisiert und starre Verkehrsregeln aufgehoben werden. Das Ergebnis: Ein Verkehr, der die Geschwindigkeit und strengen Regeln deutscher Autobahnen mit dem kreativen Fluss von Kreuzungen in Indien vereint.

Unser Verkehrssystem kann sich also tatsächlich ein Vorbild an der Biologie nehmen. Wenn wir es schaffen, ein ähnlich individuelles wie auch kollektiv optimiertes Transportsystem zu  kreieren, wie wir das von unserem Blut kennen, dann liesse sich damit die Lebensqualität von uns allen erhöhen.

Rolf

Rolf Bruegger - Direktor, Public Sector

Rolf ist Direktor im Deloitte’s Monitor Strategieteam in Zürich und hat über zehn Jahre Beratungs- und Industrieerfahrung in Europa und Australien. Rolf’s Kernkompetenzen sind im Bereich strategischer Transformationen, mit einem Fokus auf die Energie & Resources Industrien. Er hat umfassende Erfahrungen in der Erarbeitung von Unternehmensstrategien und deren Umsetzung durch die Entwicklung von Operating Models und Transformationsprojekten für verschiedene organisatorische Funktionen wie Datenmanagement, Einkauf, Vertrieb und Marketing.

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