Nationalrätin SP, Min Li Marti - Public Sector Insight

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Im Rahmen der Interviewserie teilen Persönlichkeiten aus der Schweizer Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien ihre Meinungen zu technologischen Entwicklungen, Erwartungen an die Schweizer Verwaltungen und empfehlen ihr Lieblingsbuch. Die Äusserungen und Meinungen in den Interviews sind persönlicher Natur. Im Rahmen der Serie beziehen Exponenten unterschiedlicher Organisationen und Parteien Stellung. Deloitte ist unabhängig, neutral und unterstützt keine politischen Institutionen. 

Min Li Marti

Min Li Marti ist Nationalrätin SP und dort Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Daneben ist sie Chefredaktorin und Verlegerin der Wochenzeitung P.S. Zuvor arbeitete sie unter anderem als Senior Consultant für zwei Kommunikationsagenturen, als Filmproduzentin und war stellvertretende Generalsekretarin der SP Schweiz. Sie ist Präsidentin des Schweizerischen Studiofilmverbands und im Verwaltungsrat der Energie 360 Grad AG.

Was schätzen Sie an der Schweiz?

Dass sie so gut organisiert ist und gut funktioniert. Man kann viel mäkeln über Verspätungen bei der SBB etwa oder Bürokratie in der Verwaltung, aber grundsätzlich haben wir in der Schweiz einen sehr gut aufgestellten Service Public und eine effiziente Verwaltung.

Welchen Bezug haben Sie zum öffentlichen Sektor in der Schweiz?

Als Politikerin sehe ich mich durchaus auch als jemanden, der im öffentlichen Dienst tätig ist, also eine Tätigkeit ausübt, die der Öffentlichkeit zugutekommen soll. Ich habe auch als Zentralsekretärin beim VPOD – dem Verband des Personals der öffentlichen Dienste – gearbeitet, gutes Personal ist für die Erbringung eines guten Service Publics unabdingbar.

Welche Erwartungen haben Sie als Bürgerin/Bürger an die Schweizer Verwaltungen?

Ich erwarte, dass sie unkompliziert ist, gut organisiert und gut funktioniert. Dass sie mich nicht allzuviel beschäftigt. Das gelingt der Verwaltung eigentlich nicht schlecht, gerade im Bereich der E-Government-Dienstleistungen wurden Fortschritte erzielt.

Was würden Sie in der Schweiz sofort ändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Vieles und Weniges – ich habe geschrieben, dass die Schweiz im Grossen und Ganzen sehr gut funktioniert. Das heisst aber nicht, dass alles zum Besten steht. Im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinkt die Schweiz anderen Ländern – gerade den skandinavischen Ländern – massiv hinterher. Das gilt auch beispielsweise bei der Chancengleichheit in der Bildung. Grundsätzlich muss die Schweiz aufpassen, dass soziale Errungenschaften nicht leichtfertig aufgegeben werden, die abgelehnte Altersreform ist meines Erachtens in diesem Zusammenhang eine bedauerliche verpasste Chance.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für den öffentlichen Sektor in den nächsten fünf Jahren?

Das Schlagwort „Digitalisierung“ wird zwar viel diskutiert, doch konkrete Massnahmen sehen wir nur wenige. Hier gibt es meines Erachtens einen grossen Handlungsbedarf, nicht nur in den Bereichen E-Government, sondern gerade auch in der Bildung von der Primarschule bis zur Weiterbildung, aber auch in der Frage wie der Wettbewerb zwischen lokalen Gewerbe und internationalen Monopolisten fair gestaltet werden kann.

Welche Technologie fasziniert Sie und welche wird unser Leben in fünf Jahren grundlegend verändern?

Technologie fasziniert mich grundsätzlich und einige Technologien werden unser Leben grundlegend verändern – von der Informationstechnologie über die künstliche Intelligenz bis zur Gentechnik oder Biotechnologie.

Welche Gefahren sehen Sie in der technologischen Entwicklung?

Technologischer Fortschritt ist meines Erachtens weder ein Naturereignis noch ein Selbstzweck – er muss im Interesse der Menschen und der Gesellschaft sein. Diese Diskussion über mögliche erwünschte und unerwünschte Folgen von Technologie ist absolut zentral und wird meines Erachtens zu wenig geführt, es ist vielmehr zur Glaubensfrage verkommen – ob man Fortschritt gut findet oder nicht, aber das ist nicht die Frage.

Welches Buch empfehlen Sie als „Must Read“?

Für dieses Thema „The Entrepreneurial state – Debunking Public vs. Private Sector Myths“ von Mariana Mazzucato, das darlegt, dass der Glauben, dass nur die Wirtschaft Innovation schafft, falsch ist.

Mit welcher berühmten Persönlichkeit (am Leben oder nicht) würden Sie gerne Abend essen – und warum?

Mit der Feministin und Philosophin Simone de Beauvoir – aber da müsste ich mein Französisch noch ein wenig aufpolieren.

 

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Philipp Roth - Partner, Public Sector

Philipp Roth ist Partner bei der Deloitte Consulting AG und ist Leiter des öffentlichen Sektors in der Schweiz. Mit mehr als 17 Jahren Projekterfahrung in der Bundesverwaltung, sowie in verschiedenen Kantonen und Städten, verfügt er über ein sehr grosses Fach- und Prozesswissen. Zudem hat Philipp verschiedenste Organisationen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung, sowie auf strategischer als auch auf operativer Ebene beraten.

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Jen Frei - Senior Consultant, Public Sector

Jen Frei ist ein erfahrener Berater bei Deloitte im Team Business Design mit Fokus auf den öffentlichen Sektor in der Schweiz. Er ist spezialisiert auf Business Analysen, Operational Excellence Initiativen sowie Projekt- und Programm-Management.

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