Fünf Fragen zu PSD2 und Open Banking - Banking blog

OpenBanking
Die PSD2 bewegt Europa und Open Banking schafft neue Spielregeln. Auch in der Schweiz? Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat ihre Haltung gefunden, definiert und kürzlich mit einem Positionspapier konkret Stellung bezogen. Dieser Blog Post bechäftigt sich mit dem Thema in einem Interviewbeitrag von Dr. Daniel Kobler und Dr. Stefan Bucherer von Deloitte Schweiz.

Welche Auswirkungen hat nach Ihrer Betrachtung die EU-Regulierung PSD2 für die Schweiz?

Die PSD2 Regulierung hat nur eine indirekte Bedeutung für die Schweiz aufgrund ihre SEPA Mitgliedschaft. Direkt von PSD2 sind nur Banken mit Niederlassung in der EU betroffen, die auch Zahlungsverkehrsdienstleistungen anbieten. Allerdings hat PSD2 auch in der Schweiz das Potenzial, das Banking, wie es heute betrieben wird, nachhaltig zu verändern. PSD2 ebnet den Weg in Richtung Open Banking innerhalb der EU wobei zu erwarten ist, dass auch Schweizer Banken von den entstehenden Ökosystemen sowie den sich ändernden Kundenerwartungen betroffen sein werden.

Welche Bedeutung messen Sie Open Banking für den Finanzplatz Schweiz zu?

Open Banking, im Kontrast zu PSD2, eröffnet ganz neue Perspektiven, sofern sich Schweizer Banken dieser Entwicklung stellen und auch die Chancen erkennen und wahrnehmen. Kleinere Banken können dank standardisierter Schnittstellen viel einfacher Partner einbinden und schneller mit innovativen Angeboten am Markt sein, als sie dies aus eigener Kraft könnten. Banken mit modernen und skalierbaren IT Systemen haben die Möglichkeit, sich als Plattformen für andere Marktteilnehmern anzubieten. Letztlich wird jedoch der Kunde bzw. der Markt entscheiden, ob sich Open Banking auf dem Finanzplatz Schweiz durchsetzen wird, zumindest so lange weder Regulator noch Politik die Öffnung der Bankschnittstellen fordern.

Die SBVg bezieht Stellung und lehnt eine PSD2-analoge Regulierung für die Schweiz ab. Welche Signale werden dadurch gesetzt? Ist das ein Vorteil, ein Nachteil oder bleibt eine fehlende PSD2-analoge Regulierung ohne Auswirkungen für die Schweiz?

Zugegebenermassen geht PSD2 ziemlich weit mit ihrer Anforderung, auf Kundenwunsch auch Drittanbietern zu denselben Konditionen Zugang zu Bankkonten zu gewähren. Dies führt gegebenenfalls zu massiven Umsatzeinbussen für Banken und insbesondere Kartenanbietern im Zahlungsverkehr.
Die Erfahrung in anderen Industrien (zum Beispiel Telekommunikation) hat hingegen gezeigt, dass die regulatorisch erzwungene Entbündelung von Dienstleistungen zu einem Innovationssprung geführt hat, von welchem letztlich der Kunde profitieren konnte. Banken verdienen mit den heutigen Geschäftsmodellen weiterhin gutes Geld und werden ohne entsprechende Rahmenbedingungen nur zögerlich neue Geschäftsmodelle umsetzen. Daher die Zurückhaltung der SBVg. Es obliegt der Politik zu entscheiden, ob mehr Wettbewerb durch eine Open Banking Regulierung zum Wohle des Kunden erstrebenswert wäre.

Wird die PSD2 in ihren Auswirkungen generell überbewertet oder ist es tatsächlich eine umwälzende Neuerung?

PSD2 und viel mehr das weitergehende Open Banking haben tatsächlich disruptives Potenzial, welches Banken auch viele Chancen bietet. Banken starten aus einer Position der Stärke: Ihnen vertrauen die Kunden nach wie vor mehr als Tech-Playern oder gar dem Staat. Und Bankkunden waren in der Vergangenheit (nicht nur in der Schweiz) äusserst loyal ihrer Hausbank gegenüber. Drittanbieter müssen sich also anstrengen, um ein Stück des Kuchens zu ergattern. Oder sich gleich im B2B Bereich positionieren.

Welche Rolle wird Open Banking in fünf Jahren in Europa im Allgemeinen und in der Schweiz im Besonderen spielen?

In 5 Jahren wird es in Europa selbstverständlich sein, dass Kunden ihre Dienstleister aus einem Ökosystem auswählen können und einige Banken werden sich als skalierbare Plattformen etabliert haben. Die Schweiz wird wohl mit zwei Geschwindigkeiten unterwegs sein. Auf der einen Seite wenige, progressive Banken zusammen mit einer aktiven Fintech-Szene, welche Open Banking als Chance verstehen. Auf der anderen Seite traditionellere Banken, welche ihr angestammtes Geschäftsmodell noch (meist) erfolgreich zu verteidigen wissen. In 10 Jahren mag dies ganz anders aussehen…

Was Ihrer Meinung nach zum Thema PSD2 oder Open Banking unbedingt gesagt gehört:

  1. Allzu oft werden Open Banking und PSD2 synonym verwendet. Dabei ist Open Banking ein viel breiteres Konzept, welches viele Spielweisen zulässt und je nach Szenario den Banken grosse Chancen eröffnet. Wir sprechen dabei von der Möglichkeit, den Zugang von Drittanbietern zu Bankdaten gezielt zu steuern und neue Einnahmemöglichkeiten zu generieren.
  2. Oft wird Open Banking vor allem aus einer Technologie- sowie Produktinnovationsperspektive diskutiert. Wir glauben, dass ein viel grösseres Potenzial im Bereich der Transformation von Geschäftsmodellen liegt. Hier liegt jedoch das Potenzial für exponentielle Innovation, welche auf den Netzwerkeffekt zurückzuführen ist. Daran wagt sich noch kaum eine Bank.

Das Interview wurde zuerst auf ISO 20022 publiziert.

 

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Dr Daniel Kobler - Partner, Banking Innovation Leader, Zurich

Daniel Kobler ist Partner bei Monitor Deloitte und einer der Leiter der Schweizer Bankenabteilung von Deloitte. Neben anderen Rollen ist er auch Banking Innovation Leader von Deloitte in der Schweiz. Er verfügt über mehr als 17 Jahre Berufserfahrung bei der Betreuung von Universalbanken, Geschäfts- und Privatbanken und Vermögensverwaltungsgesellschaften. Ausserdem arbeitet Daniel Kobler eng mit FinTech-Unternehmen aus ganz Europa zusammen.

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Dr. Stefan Bucherer - Senior Manager, Zurich

Stefan ist Senior Manager bei Monitor Deloitte in Zürich mit 8 Jahren Erfahrung in der Strategieberatung für Banken. Er leitet Business Transformation in der Schweiz und ist auf strategische Transformationen von Geschäfts- und Betriebsmodellen von Banken spezialisiert. Seine Schwerpunkte liegen im Retail Banking, Private Banking und Asset Management. Er publiziert regelmässig zu den Themen "Zukunft des Bankings" sowie "Industrialisierung im Banking" und ist Mitglied des Deloitte Schweiz "Open Banking" Think Tanks. Ausserdem ist er Ko-Autor des Deloitte Wealth Management Centre Rankings.

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