Ist Regtech «The Next Big Thing»? Zweiter Teil - Banking blog

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Nach Fintech ist nun vermehrt auch von Regtech die Rede. Worum geht es dabei, und in welchen Bereichen kommt Regtech bereits zum Einsatz? Ist Regtech wirklich «The Next Big Thing» in der Finanzbranche? Hier der zweite Teil unseres Blogs.

Im vergangenen Jahr hat sich neben Fintech ein weiteres neues Schlagwort entwickelt: Regtech. Bei dem Begriff handelt es sich um die Verschmelzung von «regulatory» und «technology», analog zu Fintech.

Dank Regtech-Anwendungen sollen Finanzdienstleister Compliance-Anforderungen automatisiert abarbeiten können. Denn Compliance kostet die Finanzdienstleister enorm viel, ist aber gleichzeitig kein Alleinstellungsmerkmal. Ist also Regtech die Antwort zum Thema regulatorische Effizienz?

Im zweiten Teil des Artikels gehen wir weiteren drei Kernfragen zum neuen Schlagwort der Finanzbranche nach. Im ersten Teil erfuhren Sie mehr was Regtech überhaupt bedeutet, welchen Mehrwert es liefern kann, und ob es eine Form von Fintech ist.

4. Ist dies etwas Neues oder gab es Regtech bereits früher?

Technologische Unterstützung für die Erledigung von regulatorischen Aufgaben kennen wir in der Schweiz bereits seit einiger Zeit. Das wohl erfogreichste Produkt der vergangenen Jahre ist Bearing Point FiRE, welches sich mit der Berechnung und der Berichterstattung der Eigenmittel beschäftigt.

Analog zu Fintech ist somit auch Regtech im Grunde genommen keine eigentliche Neuerung. Technologische Entwicklungen der letzten Zeit haben jedoch dazu geführt, dass immer komplexere Fragestellungen und Prozesse mittels Regtech adressiert werden können. Untersuchungen im Zusammenhang mit internationalen Bestechungsskandalen bzw. in weiteren Bereichen wie zum Beispiel dem Handel haben Defizite bei der täglichen Überwachung einiger Institute aufgezeigt.

Die Erweiterung des Angebotes, vermehrte Probleme bei Finanzinstituten und die Aktualität des Themas durch immer neue komplexere und datenintensivere Regulierungen haben den Begriff Regtech geprägt und dazu geführt dass die Finanzinstitute sich mit dem Thema vertieft beschäftigen. Durch die hohe Abhängigkeit von (globalem) Expertenwissen, wird für die Weiterentwicklung von Regtech entscheidend sein, dass grosse Prüfungs-und Beratungsunternehmen sich dem Thema annehmen und aktiv Lösungen anbieten.

5. Warum fokussieren Banken auf Fintech?

Bis jetzt stehen bei Fintech-Lösungen hauptsächlich einfache Vorgänge wie das Abfragen von Kontoständen oder das Ausführen von Zahlungen im Mittelpunkt, für welche durch den Fintech-Anbieter die beste digitale Lösung gesucht wird (z.B. Mobile Payments).

Finech ist somit für den Bankkunden direkt erlebbar und stiftet diesem einen gefühlten Mehrwert. Es handelt sich um Prozesse, welche bankintern bereits zu einem hohen Grad automatisiert worden sind.

Der Mehrwert für die Bank besteht hauptsächlich im Einsatz von neuer Technologien, welche die Bank selbst nicht einsetzt, der Geschwindigkeit der Entwicklung und der Art der Lösung.

Da Fintech-Lösungen für Early-Adopter eine Differenzierung gegenüber den Mitbewerbern erlauben, steigt der Druck auf diese Mitbewerber erfolgreiche Fintech-Lösungen ebenfalls einzuführen. Dieser Effekt konnte sehr gut anhand der Banken-Apps beobachtet werden.

6. Wer entwickelt Regtech?

Die Tatsache dass bei Regtech nicht die Technologie, sondern die Regulationen im Vordergrund stehen, führt auch zu einem anderen Typ von Anbietern in diesem Markt.

Es gibt kleinere lokale Regtech-Unternehmen, welche Produkte anbieten. Diese Produkte sind jedoch in der Anwendung meistens soweit limitiert, dass eine hohe Automatisierung nur dadurch ermöglicht wird, komplexere Fragestellungen auszuschliessen. Mittels solcher Lösungen kann zwar ein Grossteil der Fälle automatisiert werden, jedoch oft nur ein kleiner Teil des damit verbundenen Aufwands.

Als Faustregel kann gesagt werden das vor der Automatisierung 80% der Fälle (welche hier im Mittelpunkt stehen), mittels 20% des geleisteten Arbeitsaufwandes abgearbeitet werden können, die restlichen (komplexeren) Fälle jedoch 80% des manuellen Aufwandes auslösen. Ein weiteres Problem dieser Lösungen besteht darin, dass die regulatorischen Fragen zu komplexen Fällen nicht beantwortet werden, welches aber der Hauptzweck von Regtech sein sollte.

Für die Automatisierung der komplexeren Fälle werden entsprechende Regelwerke benötigt. Diese Regelwerke benötigen wiederum Daten (Regulationen), die durch ein globales Netzwerk erhoben und interpretiert werden müssen. Die Fähigkeit, diese Daten zu erheben, haben Unternehmen, welche regulatorische Beratungen oder Prüfungen in einem globalen Kontext ausüben.

Entsprechend handelt es sich bei einem Regtech-Anbieter entweder um eines dieser Beratungsunternehmen selbst oder um einen tech-Anbieter, welcher mit einer solchen Gesellschaft eine Partnerschaft abgeschlossen hat. Ein Kauf der Daten und somit eine Vorfinanzierung dieser Kosten ist aus wirtschaftlichen Gründen kaum vorstellbar.

Lesen Sie den ersten Teil dieses Blogs hier und erfahren Sie mehr zu dem Thema auf unserer Webseite.

Ch-micha-blog

Micha Bitterli – Partner, Zürich

Micha hat über 16 Jahre Erfahrung, davon zwei in New York, in der Wirtschaftsprüfung von grossen Finanzinstituten sowie im Handel von Finanzinstrumenten und Rohstoffen. Nebst seiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer verfügt Micha über langjährige Erfahrung in der Beratung zur operativen Umsetzung von regulatorischen Anforderungen von mittleren bis kleinen Finanzinstituten. 2015 wechselte Micha von einer anderen Big Four Gesellschaft zu Deloitte wo er für den Aufbau der Dienstleistungsplattform „Deloitte Managed Services“ verantwortlich ist.

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