Risiken im Umgang mit Sanktionen und “Smart Sanctions” - Banking blog

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Internationale Sanktionen werden zunehmend komplexer, und die Risiken von Sanktionsverstössen werden zunehmend höher. Die Wahrscheinlichkeit unbeabsichtigter und unbemerkter Sanktionsverstösse steigt somit an. Damit gewinnen auch die inhärenten Risiken von Sanktionsverstössen und deren Auswirkungen (rechtlich und finanziell) für Banken an Bedeutung. Dies führt die Unternehmensführung vor wichtige Fragen, wie z.B. die Minderung des Risikos von Sanktionsverstössen, Möglichkeiten präventiver Kontrollen im internen Kontrollsystem, oder auch Massnahmen zur Identifikation begangener Sanktionsverstösse und deren Aufarbeitung etwa mit Hilfe fortschrittlicher Datenanalysen.

Während der vergangenen Jahre hatte man sich bereits an die Schlagzeilen zur Bekanntmachung neuer Bussen für internationale Grossbanken und global tätige Unternehmen im Zusammenhang mit Sanktionsvergehen gewöhnt. Alljährlich werden die dabei genannten Summen immer höher und erreichen dabei ein Niveau, welches aufhorchen lässt und manches Unternehmen durchaus die Unternehmensfortführung gefährden kann.

Gleichzeitig werden Sanktionsbeschreibungen stetig komplexer: sogenannte „Smart Sanctions“ sollen gezielt zu ökonomischen Nachteilen für die sanktionierten Parteien führen und gleichzeitig Schäden für Bevölkerung und nicht-Beteiligte minimieren. Dies stellt verantwortliche Manager allerdings vor wachsende Herausforderungen:

  • Komplexität und Menge verschiedener Sanktionsbestimmungen: Während es einst genügte, Transaktionen gegen statische Listen von Namen von sanktionierten Personen oder Ländern abzustimmen, so gestalten sich Sanktionen heute oft komplizierter. Sogenannte narrative Sanktionen beschreiben eine Kombination aus Produkt (z.B. gewisse Finanzprodukte), Branche (z.B. Ölindustrie), und geografischer Lage (z.B. „Krim“, welche über keinen eigenständigen Ländercode verfügt).
  • Wachsende Anzahl bussenvergebender Parteien: Tritt unbeabsichtigt ein Sanktionsverstoss ein und kommt es zu Untersuchungen möglicher US-Dollar bezogener Sanktionsverstösse, so treten meist mehrere Behörden gemeinsam auf. OFAC (Office of Foreign Assets Control), New York County District Attorney (DANY), Departement of Justice (DOJ), Federal Reserve System (FED) und Departement of Financial Services (DFS) beispielsweise verfolgten diese Anfragen in der Vergangenheit parallel. Die untersuchten Banken und Unternehmen sehen sich im Resultat einer Beantwortung der Fragen verschiedener Ansprechpartner ausgesetzt, welche jeweils zu eigenen Bussen führen können.
  • Was die Regulatoren schon wissen: Aus früheren Untersuchungen verfügen die bussenvergebenden Parteien über umfangreiche Informationen zu Transaktionen zwischen weiteren Banken und Clearing-Partnern und haben daher bereits konkrete Hinweise auf Sanktionsverstösse bei noch nicht untersuchten Banken.

Um die inhärenten Risiken potentieller Sanktionsverstösse bewerten zu können, braucht es Antworten auf viele Fragen. Eine erste Überlegung könnten die folgenden Fragestellungen in Bezug auf das interne Kontrollsystem berühren:

Welche Prozesse und Systeme können heute Sanktionsverstösse präventiv erkennen und vermeiden, und beachten diese auch die Updates, Entwicklungen, und Anforderungen der „Smart Sanctions“? Sind Verantwortlichkeiten innerhalb des Prozesses transparent geregelt, und sind die Mitarbeiter ausreichend sensibilisiert und geschult? Wie geht man mit möglichen Behördenanfragen um?

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Risiken individuell bewertet werden müssen. Unterschiedliche Strukturen innerhalb der Banken erfordern verschiedene Fragestellungen. Diese wiederum sollten massgeschneidert auf die Herausforderungen der Bank erfasst werden, um effizient und effektiv zu Antworten führen zu können.

Es handelt sich um heute geltende Schweizer und internationale Gesetze, die gleichwohl für die Schweizer Banken gelten. Stimmen die aktuelle Umsetzung der Sanktionsvorgaben und der Smart Sanctions mit dem Risikoappetit der Bank überein? Es lohnt sich, die Antwort hierauf zu kennen, bevor FINMA und DOJ erste Fragen anmelden.

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Maria Kotowska - Manager, Risk Advisory

Maria Kotowska betreut und unterstützt seit mehreren Jahren internationale Grossbanken und Schweizer Kantonalbanken bei der Implementierung neuer regulatorischer Anforderungen. Als Expertin für technische Datenanalysen und prozessuale Aufbereitung von regulatorischen Vorgaben ist sie unter anderem spezialisiert im Bereich internationaler Sanktionen und Cross Border Steuerthemen. Sie hilft Banken bei der Beantwortung von Behördenanfragen, und richtet dabei den Fokus auf einen integrativen und effizienten Ansatz in Bezug auf Daten, Technologie, bestehende Prozessen und Gesetzliche Anforderungen - retrospektiv wie auch prospektiv.

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