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Im Rahmen der Interviewserie teilen Persönlichkeiten aus der Schweizer Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien ihre Meinungen zu technologischen Entwicklungen, Erwartungen an die Schweizer Verwaltungen und empfehlen ihr Lieblingsbuch. Die Äusserungen und Meinungen in den Interviews sind persönlicher Natur. Im Rahmen der Serie beziehen Exponenten unterschiedlicher Organisationen und Parteien Stellung. Deloitte ist unabhängig, neutral und unterstützt keine politischen Institutionen.

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Kuno Schedler

Kuno Schedler ist seit 1996 Professor für Public Management an der Universität St. Gallen. Nebst seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat er sich aktiv für die Konzeption und Einführung der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung in der Schweiz engagiert. Seine Themen umfassen zudem Inhalte wie das öffentliche Rechnungswesen, Public Corporate Governance und Smart Government. Seit 2010 ist er VR-P der Schweizer Paraplegiker Forschung AG und Stiftungsrat der Schweizer Paraplegiker Stiftung, seit 2015 Prorektor der HSG.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für den öffentlichen Sektor in den nächsten 5 Jahren?

Fünf Jahre sind eine kurze Zeit, in der sich vermutlich noch keine revolutionären Dinge abspielen werden. Aber die Verwaltung kann und muss sich schon jetzt auf Entwicklungen vorbereiten, die später kommen werden:

  • Digitalisierung: Smarte Technologien (Internet der Dinge, Big Data Anwendungen usw.) werden auch die Arbeit der Verwaltung massiv verändern. Hier muss „Smart Government“ Lösungen bieten.
  • Finanzierung: Die Unternehmensbesteuerung wird neu gedacht werden müssen. Gründe sind der internationale Druck, aber auch mögliche Veränderungen der Organisationen an sich. Dank neuen Sourcing-Modellen via Internet könnte die traditionelle Organisationsform der Unternehmen abnehmen („Uber-Lösungen“ auch in der Produktion), womit die Grundlage für die Besteuerung fragil wird.
  • Innovationsfähigkeit und Kreativität: Die öffentliche Verwaltung wird deutlich dynamischer, innovativer und kreativer werden müssen, um mit dem neuen Umfeld mithalten zu können.
  • Geschäftsmodell-Denken: Wir werden viele Modelle komplett neu denken müssen, z.B. die Versorgung im Gesundheitswesen, die Fürsorge, vermutlich auch die Bildung. Das geht nur mit neuen Geschäftsmodellen, die über Design Ansätze entwickelt werden

Welche Technologie wird unser Leben in fünf Jahren grundlegend verändern? Und welche Gefahren sehen Sie in der technologischen Entwicklung?

Der Umgang mit und die Verfügbarkeit von Daten ist schon jetzt zentral für uns alle, wird aber noch an Bedeutung zunehmen. Daten sind auch im öffentlichen Sektor eine Währung, mit der wir als Bürger/innen passiv partizipieren. Passiv heisst, wir überlassen unsere Daten dem Staat, damit daraus Erkenntnisse über die Wirkung von politischen Massnahmen abgeleitet werden können. Gefährlich wird das, wenn der Datenschutz sich nicht auf die neuen Möglichkeiten einstellt. Das scheint vor allem auf kantonaler Ebene eine Herausforderung zu sein.

Welche Erwartungen haben Sie als Bürger an die Schweizer Verwaltungen?

Sie sollen unbürokratische, auf meine Bedürfnisse abgestimmte Problemlösungen anbieten. Gleichzeitig sollen sie die Grundpfeiler der demokratischen Ordnung sicherstellen:

    • Rechtssicherheit
    • Neutralität und Sachlichkeit (Gleichbehandlung)
    • Transparenz
    • Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit

Was würden Sie in der Schweiz sofort ändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Ich würde das Schweizer Grundprinzip des Vertrauens, der Integrität und des „Treu und Glauben“-Ansatzes wieder stärken, gleichzeitig die überbordende (und weitgehend wirkungslose) „Compliance“-Mentalität nach amerikanischem Zuschnitt zurückbinden. Die Welt wird nicht besser, wenn Führungsverantwortung und –entscheidungen durch administrative Regeln ersetzt werden.

Welches Buch empfehlen Sie als „Must Read“?

Das ist eine schwierige Frage für einen Wissenschafter, da es Vieles zu empfehlen gibt. Aktuell wäre sicher Simon Grand: Routines, Strategies and Management, 2016 bei Edward Elgar erschienen. Da sind einige Aha-Effekte für Manager drin, die ich grandios finde.

Mit welcher berühmten Persönlichkeit (am Leben oder nicht) würden Sie gerne Abend essen – und warum?

Mit George Herbert Mead, einem der originellsten Pragmatisten, der die meisten der heute diskutierten Zusammenhänge in Organisationen schon um die letzte Jahrhundertwende thematisiert hat. Es wäre spannend, von ihm zu hören, wie er die aktuellen Diskussionen interpretiert.

Papierrechnung oder E-Rechnung? Papierrechnung
iOS oder Android? iOS
Eishockey oder Fussball? Fussball
Auto oder öV? öV
Bern oder Zürich? Zürich
Berge oder Strand? Strand und Wasser

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Philipp Roth - Partner, Public Sector

Philipp Roth ist Partner bei der Deloitte Consulting AG und ist Leiter des öffentlichen Sektors in der Schweiz. Mit mehr als 17 Jahren Projekterfahrung in der Bundesverwaltung, sowie in verschiedenen Kantonen und Städten, verfügt er über ein sehr grosses Fach- und Prozesswissen. Zudem hat Philipp verschiedenste Organisationen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung, sowie auf strategischer als auch auf operativer Ebene beraten.

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Jen Frei - Senior Consultant, Public Sector

Jen Frei ist ein erfahrener Berater bei Deloitte im Team Business Design mit Fokus auf den öffentlichen Sektor in der Schweiz. Er ist spezialisiert auf Business Analysen, Operational Excellence Initiativen sowie Projekt- und Programm-Management.

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